25 Jahre Kuren-Heilen-Erholen

Serie 25 Jahre Kur in Heiligenstadt

Teil 1 (1990)

Keine Zukunft für das Heilbad? 

Ende 1990 kam das Aus für alle 44 Mitarbeiter

Heiligenstadt. Am 26. Juni 1991 war zur Erhaltung des Kurwesens die Heilbad Heiligenstadt GmbH gegründet worden; einen Tag später, am 27. Juni, erfolgte die Eintragung ins Handelsregister beim Amtsgericht. Dann kam, was damals sogar viele Experten nicht für möglich gehalten hätten: Die Kurstadt Heiligenstadt begann, ihre Erfolgsgeschichte zu schreiben, machte auf sich aufmerksam in den neuen und alten Bundesländern. Mit der Sanierung des Heinrich-Heine-Kurparks, dem Bau der Kurparkklinik - Fachklinik für Orthopädie und Innere Medizin, dem Bau des Vitalparks mit der Eichsfeld-Therme als Gesundheitseinrichtung, dem Bau des Best Western Plus Hotel am Vitalpark, dem Umbau einer Kinderkombination (Kindergarten und Kinderkrippe) zum Kindertherapiezentrum „Sonnenschein“. „Von Null auf Hundert“ kann heute rückblickend gesagt werden. Ungläubig, ja neidisch schauten Mitglieder des Thüringer Bäderverbandes vor einem Vierteljahrhundert in Richtung Eichsfeld. Das kleine Heiligenstadt, das doch eigentlich als Kurort nichts zu bieten hatte, jedenfalls nach altbundesdeutschen gesetzlichen Vorgaben, rappelte sich aus eigener Kraft hoch. Wie war so etwas möglich? Doch wohl nur mit Menschen, die bereit waren zu kämpfen, sich nicht entmutigen ließen, Visionen hatten. Vom „Abenteuer Kur“ sprechen  Altbürgermeister Bernd Beck und Kurdirektor Alban Günther, seit November 1995 Geschäftsführer der Klinikgesellschaft Heilbad Heiligenstadt mbH.  „Wir hatten nicht so einen Ruf und so einen Namen wie andere traditionelle deutsche Kurorte“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Aber wir wussten, was wir wollten und wir wussten: Nur wenn wir etwas haben, können wir es auch anbieten. Altbürgermeister Bernd Beck unterstreicht: „Ja, wir hatten nichts, aber die Stadt hat Verantwortung übernommen.“ Allen Nörglern und Zweiflern hielten sie entgegen: „Wir machen das doch nicht für uns persönlich.“

Am 7. August 1929 war in Heiligenstadt mit ambulanten Badekuren, den Kneippkuren, begonnen worden. In der Stadt gab es einen Kneippverein, Bürgermeister Karl Wolters, selbst ein  leidenschaftlicher Verfechter und Anwender der Kneippschen Lehre, hatte den Auftrag für den Bau des Kneippbades, des kleinen Therapiegebäudes im Park, erteilt. Am 19. Dezember 1950 erhielt Heiligenstadt den offiziellen Status „Heilbad“. Dass in der DDR der Bereich „Kur“ im gesamten Land keine Angelegenheit der Kurorte war, sondern des Gesundheitswesens, wurde nach der Wende deutlich. Vertreter der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), zuständig für die Belegung der Kurkliniken, bereisten 1990 alle Kurorte im Osten Deutschlands, unterzogen auch Heiligenstadt einer kritischen Prüfung. Das Ergebnis, der Stadtverwaltung schriftlich mitgeteilt, war niederschmetternd. Kein Bettenhaus vorhanden, also auch keine Unterstützung, sondern Abwicklung! Zu dieser Zeit war jedoch schon mit dem  Kurbetrieb am Jüdenhof begonnen worden. Wer in der DDR eine Kur in Heiligenstadt bekam, wohnte in einem Privatquartier, nahm die Mahlzeiten im heute nicht mehr existierenden „Mainzer Hof“ ein und ging zur Therapie ins Kneippbad. Im Dezember 1990 erfuhren die 44 Kur-Mitarbeiter in einem Schreiben des Thüringer Ministeriums für Soziales und Gesundheit von ihrem Schicksal. Minister Dr. Hans-Henning Axthelm ließ mitteilen, ihr Arbeitsverhältnis ruhe ab dem 31. Dezember 1990, da „die Einrichtung nicht als staatliche Einrichtung des Landes Thüringen fortgeführt werden kann“. Als Grundlage für diese Entscheidung wurde der Artikel 13, Absatz 1, Satz 4 des Einigungsvertrages genannt. Die Betroffenen wurden um Verständnis gebeten.


Teil 2 (1991)

Auf  die eigene Kraft besinnen 

Keine Hilfe von Bund und dem Land Thüringen

Heiligenstadt. Noch am 24. Dezember 1990, vier Tage nach Eingang des Schreibens aus dem Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit (siehe Teil 1 der Serie) hatten Medizinalrat Dr. Elisabeth Pfützenreuter, Leitende Ärztin des Kneippbades, und Verwaltungsleiter Döring einen Antwortbrief nach Erfurt geschickt. Sie informierten Minister Dr. Hans-Henning Axthelm darüber, dass alle 44 Mitarbeiter Widerspruch einlegen werden. Und sie gaben zu bedenken, welche Kosten dem Staat entstünden, müsste an alle nicht mehr tätigen Mitarbeiter im 1. Halbjahr 1991 Kurzarbeitergeld bezahlt werden. Der Brief nützte ebenso wenig wie die zahlreichen Vorschläge der Ärztin zur Rettung des Kneippbades. Auch die Bedenken von Amtsarzt Dr. Eberhard Liesaus fanden kein Gehör. Seine Befürchtung: Viele langjährige Mitarbeiter würden ihre Abfindung gerichtlich einklagen, was erhebliche Kosten für das Land bedeute. Die Kreisverwaltung des Landkreises Heiligenstadt hatte signalisiert, wenn es zu einem Rechtsträgerwechsel käme, nur die Gebäude übernehmen zu können, nicht aber die juristische Person. In Klartext: Das Aus für den Kurbetrieb. Bernd Beck, seit dem 6. Dezember 1989 frei gewählter Bürgermeister der Stadt, beschloss zu kämpfen, die Kur zur Sache der Kommune zu machen. An seiner Seite Alban Günther, damals Wirtschaftsdezernent der Kreisverwaltung. Bernd Beck wurde bundesweit aktiv, schrieb Briefe, telefonierte, per Fax wurden Schreiben auf den Weg gebracht, er ging auf Reisen, warb für seine Stadt als Kurort, informierte sich bei kurerfahrenen Institutionen, wie z. B. dem Kneipp-Bund e.V. – Bundesverband für Gesundheitsförderung Bad Wörishofen und dem Bayerischen Heilbäderverband Bad Kissingen. Für Heiligenstadt und die Kur sollte es sich als Glücksfall erweisen, dass er bereits im August 1990 zur Kesperkirmes in Witzenhausen privat Dipl.-Ingenieur Rolf Rumscheidt kennen gelernt hatte. Der Geschäftsführer der Kur GmbH Bad Sooden-Allendorf erzählte ihm, er sei ab 1991 Pensionär und wolle, vermittelt durch den hessischen Gemeinde- und Städtebund, dem Kurort Bad Frankenhausen im Osten Deutschlands beratend zur Seite stehen. Nicht ohne eigennützige Gedanken hatte ihn Heiligenstadts Stadtoberhaupt gefragt: „Warum nicht bei uns? Von Heiligenstadt aus können Sie jeden Abend nach Hause fahren.“ In einem Interview, geführt von der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA), appellierte Bernd Beck „an die westdeutschen Kassenverbände, Heiligenstadt als Kneipp-Kurort anzuerkennen und kündigte eine Zusammenkunft an. Er nannte auch die folgende Tatsache: „Unter Hinweis auf die schlechte Luft oder andere Mängel in der ehemaligen DDR weigern sich die Kassen bislang, Kurpatienten in die neuen Bundesländer zu schicken.“ Es solle jedoch nicht vergessen werden: Erst jetzt gäbe es für die Städte die Möglichkeit der Entwicklung. Die Beratung fand am 7. und 8. März 1991 statt, allerdings mit weniger Teilnehmern als erwartet. Dr. Axthelm war verhindert. Die Vertreterin der BfA sagte ab, nicht ohne den Hinweis, die Stadt bereits zu kennen. Bundesarbeitsminister Norbert Blüm ließ sich entschuldigen. Landrat  Dr. Werner Henning war überzeugt: „Wir müssen uns auf die eigene Kraft besinnen. Vom Land Thüringen ist keine Hilfe zu erwarten.“ Rolf Rumscheidt ergänzte seine Bedenken, es sei nicht alles unter einem Dach, Kurmittelhaus und Unterbringung seien getrennt, jedoch mit der Zusage für beratende Hilfe. Angesprochen wurde die Notwendigkeit, alle möglichen Beteiligten in einer GmbH zu bündeln.


Teil 3

Kneipp allein war nicht genug

Wichtige Bausteine auf dem Weg zu einem modernen Kurort


Heiligenstadt. Erste Mitarbeiterverträge wurden am 26. August 1991 abgeschlossen und es wurden alle Voraussetzungen geschaffen, neben ambulanten Kuren auch stationäre anzubieten. Intensive Verhandlungen mit den Kostenträgern führten zu   Versorgungsverträgen für stationäre Kinder- und Erwachsenenkuren. Ab 1990 hatte die Kneipp-Therapie kaum noch die Wertigkeit wie noch in den Jahren zuvor. „Kneipp allein reicht nicht“, mussten die Kur-Verantwortlichen zur Kenntnis nehmen. Als neu und noch ungewohnt in den neuen Bundesländern galt der Gesundheitstourismus. Neu für die Bürger der alten Bundesländer waren hingegen klassische Kinderkuren, in der DDR ein selbstverständlicher Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Im Mai 1992 war das Kindertherapiezentrum „Haus Sonnenschein“ seiner Bestimmung übergeben worden. Und Sonnenschein hatten die Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und fünfzehn Jahren reichlich, wegen der Lage des Gebäudes im Liethen-Wohngebiet. Aus dem ehemaligen Neubau einer sogenannten Kinderkombination (Kinderkrippe für die Jüngsten und Kindergarten) entstand eine moderne Kureinrichtung mit 70 Betten, die auch für Mutter-Kind-Kuren bzw. Vater-Kind-Kuren genutzt wurde. Das Haus bestand als Kurheim zum Jahr 2015. Ab November 1992 gab es die ersten stationären Erwachsenenkuren, im Therapiezentrum „Am Jüdenhof“, dem heutigen Gesundheitshotel und Restaurant, mit zunächst fünf Mitarbeitern. Als am 10. Dezember 1993 die offizielle Eröffnung der Kurparkklinik erfolgte (Haus 1; umgebautes Kneippsches Badehaus aus dem Jahr 1929), hatten Kurgäste bereits dort Einzug gehalten, am 1. November. Zunächst kümmerten sich 35 Angestellte um ihr Wohl. Zur Stadtsanierung in den 1990er Jahren gehörte auch die Umgestaltung des Heinrich-Heine-Parks zu einem Kurpark, der dem Standard eines zeitgemäßen Kurortes genügt. Denn eine solche Grünanlage muss etwas bieten über ein paar Spazierwege und einige Bänke zum Ausruhen hinaus. Unter Einbeziehung physiotherapeutischer Erkenntnisse galt es beispielsweise die Wege für die  Bewegungstherapie unter fachlicher Anleitung zu gestalten. Als sich Heiligenstadt als Heilbad mehr und mehr einen Namen machte, wurde es eng im Haus 1. Am 8. Dezember 1994 erfolgte deshalb die Grundsteinlegung für ein großes Kurmittelhaus, der Fachklinik für Orthopädie und Innere Medizin. An weiteren Herausforderungen fehlte es nie. Für das Bestehen Heiligenstadts als Heilbad war laut Kurorte-Gesetz ein ortsgebundenes Kurmittel vorgeschrieben. Moor gab es nicht, Tankwagen mit Sole für medizinische Bewegungsbäder kamen aus Österreich, später dann aus Bad Salzungen  – gut für die Gegenwart, jedoch keine Option für die Zukunft. Da Geologen in Heiligenstadts „Unterwelt“ Sole in bestimmter  Konzentration vermuteten, begannen die Bohrungen und bereiteten Bürgermeister Bernd Beck einige schlaflose Nächte. Im Frühjahr 1995 konnte verkündet werden: Wir fördern Sole mit einem notwendigen Sättigungsgrad von 27 Prozent. Sichtbar wird die Sole im Martins-Brunnen des Kurparks.


Teil 4

Fachklinik im Park und „Vitalpark“ mit „Eichsfeld-Therme“
 
Viele Bürger hatten Erklärungsbedarf wegen Bau In der Leineaue


Heiligenstadt. Am 23. Juni 1995 wurde Richtfest für das Haus 2, die Fachklinik für Orthopädie mit 236 Betten, gefeiert; ein knappes Jahr später, am 28. April 1996,  konnten sich die Heiligenstädter und alle Interessenten zum Tag der offenen Tür im neuen Haus umschauen. Bereits zwei Tage danach wurden hier die ersten Kurgäste begrüßt. In diese Zeit fiel der Geschäftsführer-Wechsel. Rolf Rumscheidt,  Pensionär aus Bad Sooden-Allendorf, war bekanntlich aus seinem Ruhestand noch einmal in das Berufsleben zurückgekehrt und hatte auf Initiative von Heiligenstadts Bürgermeister Bernd Beck seine langjährigen Erfahrungen als „Kur-Chef“ der hessischen Stadt nun in Heiligenstadt eingebracht. Im Januar 1996 wurde er, der später, im März 2013, siebenundachtzigjährig verstarb, in den endgültigen Ruhestand verabschiedet. Im Oktober 1995 hatte Alban Günthers Tätigkeit  als Geschäftsführer begonnen. Experten lobten das neue Haus als eine der modernsten Reha-Einrichtungen. Nicht nur Patienten wurden hier ärztlich betreut. Viele Gäste kamen auch als Gesundheitsurlauber in die Kurparkklinik, von denen einige bis heute als Stammgäste dem Haus treu geblieben sind. Als hervorragende architektonische Lösung gilt die Verbindungsbrücke mit einem verglasten Treppenhausturm zwischen den beiden Häusern. Aber immer noch fehlte der Stadt ein Kurmittelhaus. Ohne eine solche Einrichtung gibt es nach bundesdeutschen Gesetzen keine Anerkennung als Heilbad. Deshalb wurde am 15. Oktober 1998 der Grundstein für den Vitalpark gelegt; Richtfest gefeiert wurde ein Jahr später, am 1. Oktober 1999, und am 29. September 2000 erfolgte die Eröffnung. Die Kurgesellschaft Heilbad Heiligenstadt mbH wurde in diesem Zusammenhang umbenannt in Klinikgesellschaft Heilbad Heiligenstadt und als Betreiber des Vitalparks wurde die Kur- und Tourismusgesellschaft Heilbad Heiligenstadt als einhundertprozentige Tochtergesellschaft gegründet. Trotz dieser Tatsache sprachen und sprechen zahlreiche Heiligenstädter kurz von „der Kur“, unabhängig davon, welche Einrichtung sie meinen. Es kostete die hierfür Verantwortlichen mitunter sehr viel Überzeugungskraft, den Bürgern die Entscheidung für den Neubau zu erläutern, sahen doch etliche Heiligenstädter und Bewohner anderer Orte des Eichsfeldes zunächst darin einfach nur ein im Bau befindliches besseres Hallenbad. Die Kreisstadt hatte ein Hallenbad (die jetzige umgebaute Stadthalle)! Warum also nun unbedingt der Vitalpark mit der Eichsfeld-Therme? Ringsum in den neuen Bundesländern wuchsen Freizeitbäder aus dem Boden. Mehr als einmal unterstrichen Bürgermeister Bernd Beck und Kurdirektor Alban Günther in der Öffentlichkeit: „Wir bauen hier kein Spaßbad, wir bauen ein Kurmittelhaus, ein Gesundheitszentrum.“ Inzwischen haben schon unzählige Besucher aus eigenem Erleben das Motto bestätigt: „Gesundheit, die Spaß macht“. Eine kleine Bemerkung am Rande: Sicher wäre es der Gesundheits-Idee und dem Tourismus nicht gerade förderlich gewesen, sich bei der Postanschrift  auf den historischen Namen des Geländes zu berufen, denn der Vitalpark steht  „Am Schindanger“. Da klingt die Adresse „In der Leineaue“ doch wesentlich angenehmer und einladender.


Teil 5

Auch sie gehören dazu

Betreutes Wohnen, Märchenpark, Gesellschaft für Bildung und Soziales 

Heiligenstadt.
Die einzelnen Bereiche des „Vitalparks“ mit der „Echsfeld-Therme“ (siehe Teil 4) hier allesamt anzuführen und zu erläutern, hieße gewiss Wasser in die Leine gießen. Deshalb wird in dieser Serie auf ohnehin bekannte Details verzichtet.  Beim Rückblick auf die Entwicklung der Kur dürfen aber auch einige wichtige Einrichtungen im Heilbad nicht fehlen, die die Heiligenstädter und die Gäste der Stadt auf den ersten Blick gar nicht unbedingt mit der Kur in Verbindung brachten bzw. bringen. Im Jahr 1995 wurde das BfH - Bildungszentrum für Heilberufe gGmbH als 90prozentige Tochter der Klinikgesellschaft Heilbad Heiligenstadt (10 Prozent Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Göttingen) gegründet, zur Ausbildung und Weiterbildung von Physiotherapeuten und Masseuren/medizinischen Bademeistern. Auch hierfür wurde eine ehemalige Kinderkombination (Kinderkrippe und Kindergarten) im Liethen-Wohngebiet umgebaut. Bundesweit genoss diese bis zum Ende 2015 bestehende Fachschule einen sehr guten Ruf. Zukünftige Physiotherapeuten nutzen gern die Möglichkeit, ihre Praktika in den zur Klinikgesellschaft gehörenden Einrichtungen zu absolvieren oder sich nach erfolgreichem Abschluss hier zu bewerben. Mit Wirkung vom 1. Januar 2016  übernahm die Heiligenstädter Bergsschule St. Elisabeth, Staatlich anerkannte katholische berufsbildende Schule, die Physiotherapeuten-Ausbildung und zugleich erfolgte der Übergang des BfH in die Gesellschaft für Bildung und Soziales KGHH gGmbH.  Seitdem gehört es zu den Aufgaben, neben den Bildungsangeboten es Unternehmens, unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen ein neues Zuhause zu geben. In Zusammenarbeit zwischen Kur und KOWO, der Kommunalen Wohnungsgesellschaft Obereichsfeld mbH, hat sich im Jahr 2002 das „Betreute Wohnen“ an zwei Standorten der Kreisstadt etabliert. In der Liebermannstraße im Liethen-Wohngebiet, mit Blick auf den Heinrich-Heine-Kurpark, wurde ein ehemaliger Wohnblock umgebaut. In der Altstadt, d.h. in der Ratsgasse, Postanschrift Altstädter Kirchplatz, entstand durch Umgestaltung eines Altbaus, einst genutzt als Kommunale Berufsschule, ebenfalls ein Haus, in dem Senioren eigenständig und dennoch auf Wunsch bestens unterstützt leben. Selbstverständlich werden die Bewohner beider Häuser in alle kulturellen Angebote der Kur einbezogen.
Am 4. Juli 2004 wurde der Märchenpark am Vitalpark eröffnet, eine empfehlenswerte, einfach märchenhaft schöne Adresse für Kinder und Eltern. Hier werden Märchen der Brüder Grimm lebendig. Wenn keine Veranstaltungen stattfinden, die stets sehr viele kleine und große Besucher anziehen, ist ein Spaziergang, vorbei am kleinen Märchenschloss und am Rapunzelturm   immer lohnenswert.


Teil 6

In einem Vierteljahrhundert Visionen umgesetzt

BEST WESTERN PLUS Hotel am Vitalpark vervollständigt das Ensemble


Heiligenstadt. Die Verantwortlichen hatten es frühzeitig erkannt, deshalb stand bereits 1995 fest: „Wir brauchen ein leistungsfähiges Beherbergungsangebot, zusätzlich zu den in der Stadt bereits vorhandenen Hotels und Pensionen. Wer nach Heiligenstadt fährt, soll die Möglichkeit erhalten, Urlaubserlebnisse, Kur und Gesundheitsvorsorge auf angenehme Weise miteinander zu verbinden.“ Geplant wurde deshalb ein Hotelneubau auf dem Brauhausplatz. Dort, wo die Brauerei gestanden hatte, gibt es allerdings heute Wohnhäuser. Das für dort geplante Hotel vervollständigt heute das Ensemble „In der Leineaue“. Die Brauerei war von der Treuhand verkauft worden und wurde später abgerissen. Für das zukünftige Hotel stellte die Stadtverwaltung die Fläche zur Verfügung. Dann folgten Probleme: Investoren wollten zwar hier ein Hotel bauen, aber nicht selbst betreiben. Entscheidung von Alban Günther, Bernd Beck und all ihren unermüdlichen Mitstreitern, die nie den Mut verloren: „Dann bauen wir selber!“ Eine Absage der Banken bremste den Elan. Die Gesundheitsreform 1996 brachte neue Aufgaben und Erfordernisse, „Kurchef“ Alban Günther ging auf Reisen, warb landauf,.landab für Gesundheitspauschalen und Kururlaub in seiner Stadt. Entgegen der anfänglichen Pläne erfolgte schließlich am 8. Dezember 2006 der erste Spatenstich zum Neubau des „Hotel am Vitalpark“, heute „BEST WESTERN PLUS Hotel am Vitalpark“, dessen Richtfest am 26. Oktober 2007 gefeiert wurde. Nach der Eröffnung dieses 4-Sterne-Superior-Hauses am 31.Juli 2008 reisten die ersten Gäste am 1. August an. Die Kooperation mit dem Unternehmen „BEST WESTERN“, der weltweit größten Hotelkooperation mit mehr als 4 200 Hotels in über 90 Ländern, besteht seit Mai 2009.  Einige der 130 Zimmer sind rollstuhlgerecht; Gäste mit Gehbehinderungen sind davon sehr angetan, weil hier ihre Bedürfnisse tatsächlich berücksichtigt werden. Der „Bademantelgang“ verbindet als geniale Lösung das Hotel direkt mit dem Vitalpark.  Das gesamte neu erbaute  Ensemble bot und bietet immer wieder eine ansprechende Kulisse für bedeutende Veranstaltungen im Freien. Hier nur einige Beispiele: der MDR-Sommernachtsball am 18. Juli 2014, der Thüringer Wandertag am 30. Mai 2015 mit Ministerpräsidentin a. D. Christine Lieberknecht  oder die bekannte MDR-Fersehsendung „Mach Dich ran“ am 19. Juni 2015.
Heute nehmen, außer Reha-Patienten, besonders gesundheits- und wellnessorientierte Gäste aller Altersstufen, die präventiv etwas für ihr Wohlbefinden und die Erhaltung ihrer Leistungsfähigkeit tun wollen, den Weg nach Heiligenstadt. 

Bilanz im Jahr 2015: Rund 150 000 Übernachtungen und 28 000 Gäste in den „kureigenen“ Häusern“, darin eingeschlossen alle Reha-Patienten).

Seit dem 1. Januar 2016 ist Thorsten Groß Geschäftsführer der beiden  Tochterunternehmen Kur- und Tourismusgesellschaft Heilbad Heiligenstadt mbH sowie Hotelgesellschaft KGHH Heilbad Heiligenstadt mbH, Alban Günther nach wie vor Geschäftsführer der Klinikgesellschaft Heilbad Heiligenstadt mbH. Alban Günther und Altbürgermeister Bernd Beck unterstreichen: „Die Vision der in die Zukunft gerichteten Kurstadt haben wir immer verfolgt, zum Wohle unserer Stadt, für unser Heilbad. Schön, wenn dies so bleibt.“


Teil 7

„Wir alle haben die Chancen gut genutzt“

MR Dr. Elisabeth Pfützenreuter und Physiotherapeutin Eva-Maria Grebenstein erinnern sich

 
Heiligenstadt.  Als Ruheständlerinnen verfolgen Badeärztin Medizinalrätin Dr. Elisabeth Pfützenreuter (Ruhestand seit 2001)  und Physiotherapeutin Eva-Maria Grebenstein (Ruhestand seit März 2016) aus Heiligenstadt interessiert die aktuelle Entwicklung der Kur und erinnern sich an bewegte Zeiten. Beide haben sich gefreut, als am 31. Juli 2008 Heiligenstadt das Zertifikat „Staatlich anerkanntes Sole-Heilbad“ erhielt. Beide unterstreichen: Es war alles andere als einfach; auch sie wurden mit der Abwicklung des staatlichen Kneippbades 1990 arbeitslos. Sie gehörten zu den wenigen Mitarbeitern, die am 26. August 1991 ihre Arbeitsverträge für die neu gegründete Kurgesellschaft erhielten. Nichts war mehr mit DDR-Kuren zu vergleichen. Neue Behandlungsmethoden und Verordnungen erforderten so manche Fortbildung. An- und Abreisen zu festgelegten Terminen gehörten der Vergangenheit an, fanden  täglich statt. Rund 30 Patienten wurden anfangs im „Jüdenhof“ betreut. Zur Verbesserung der Situation waren außerdem Physiotherapeuten für Kurgäste im  „Stadthotel“ stundenweise tätig. Um noch mehr Patientenzimmer im „Jüdenhof“ zu erhalten, war u.a. im Nebenhaus eine Wohnung umgebaut worden. MR Dr. Pfützenreuter charakterisiert die Arbeitslosigkeit als „eine schreckliche Situation“, den Neubeginn als „einen Sprung ins kalte Wasser“. Seit 1967 war sie leitende Ärztin im Kneippbad gewesen. Mit nur einem Mitarbeiter wickelte sie das Kneippbad ab und baute dann die ambulanten Badekuren auf; das musste schnell geschehen. Die Patienten kamen mit Rezepten oder zahlten privat – froh darüber, nun medizinische Leistungen im einstigen Kneippbad ihrer Stadt beanspruchen zu können. Die rührige Badeärztin schlug vor, das Kur-Café im Park der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wenigstens in den Nachmittagsstunden. Mit Eröffnung des Kinderkurheimes „Sonnenschein“ 1992 gehörte die Untersuchung der Kinder ebenfalls zu ihrem Tätigkeitsfeld – eine schwierige Aufgabe, die gemeistert werden musste. Im späteren Verlauf wurden diese Kuren durch Mutter-Kind-Kuren ersetzt. In ihren letzten Arbeitsjahren standen Frau MR Dr. Pfützenreuters Sprechstunden für Patienten mit ambulanten Badekuren und mit Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises im Vordergrund. 1972 hatte Physiotherapeutin Eva-Maria Grebenstein ihre Arbeit im Kneippbad aufgenommen. „Mit drei, vier Leuten haben wir 1991 neu angefangen“, erzählt sie. Etliche ehemalige Kolleginnen und Kollegen waren nach der Kündigung in die Selbstständigkeit gegangen, standen nicht mehr zur Verfügung. Als leitende Physiotherapeutin absolvierte sie 1993 die Zusatzausbildung „Manuelle Lymphdrainage“, eine in der DDR wenig bekannte Behandlung. Viele Patienten aus Heiligenstadt und Umgebung waren erfreut, für diese Therapie endlich nicht mehr weit fahren zu müssen. 1993 fand der Umzug vom „Jüdenhof“ in die Kurparkklinik (Haus 1) statt. 1996 kam dann das Haus 2 (Fachklinik für Orthopädie und Innere Medizin) dazu – ein  großes neues Betätigungsfeld für die Physiotherapeuten. Die Anschlussheilbehandlungen (heute unter dem Namen Anschlussrehabilitationen) nach Operationen im orthopädischen Bereich wurden dabei zu einem festen Standbein für die Klinik. Eva-Maria Grebenstein setzte auch für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen die „Terraintherapie“ im Kurpark um, ein spezielles Konditionstraining in verschiedenen Belastungsstufen. Sie stimmt Frau Dr. Pfützenreuter zu, die hervorhebt: „Die 1991 begonnene Entwicklung war eine Überlebenschance für die Kur und die haben wir alle gemeinsam gut genutzt.“

zurück