Die Kurtradition reicht zurück bis auf das Jahr 1929


Die Kurtradition reicht zurück bis auf das Jahr 1929, als hier erste Anwendungen im Sinne Sebastian Kneipps durchgeführt wurden.

Am 07. August 1929 wurde das Kneipp’sche Badehaus im Heinrich – Heine – Park (heute Kurparkklinik) seiner Bestimmung übergeben.

Initiator und Bauherr war die Ortsgruppe Heiligenstadt des Kneipp – Bundes e.V. Wörishofen, die 1926 in Heiligenstadt gegründet worden war.

Die Finanzierung des Baues erfolgte durch Spenden von Bürgern aus Heiligenstadt, Darlehen, die bei Bürgern aufgenommen wurden, und durch Kredite bei der Kreissparkasse, für die die Stadt die Bürgschaft übernahm.

Das Baugrundstück stellte die Stadt zur Verfügung und im Auftrage der Stadtverwaltung wurde in den Jahren 1929 bis 1931 die Parkanlage auf dem Gelände benachbarter Wiesen und Weiden geschaffen, wie sie noch heute mit Wegen, Beeten, Wiesen und Teichen angelegt ist.

Die Überwachung des gesamten Badebetriebes übernahm ein im Heiligenstädter Kneipp – Verein gegründetes Kuratorium. Die ärztliche Betreuung erfolgte durch Heiligenstädter Ärzte.

Der Kurbetrieb verlief recht wechselhaft und kam in den letzten Kriegsjahren ganz zum Erliegen.

Wiedereröffnung des Heiligenstädter Kneipp – Bades am 01.06.1946

Die Zahl der im Jahre 1946 ständig anwesenden Kurgäste betrug 81. Täglich wurden bis zu 200 Vollbäder abgegeben.

Im Jahre 1950 wurden nahezu 12.000 Anwendungen des Kneipp – Bades für Heiligenstädter und Bürger aus den nahe gelegenen Ortschaften sowie 142 Kurgäste registriert, damit wurde neben der Zweckmäßigkeit auch das Erfordernis des Kneipp – Bades unter Beweis gestellt. In mehreren unaufgeforderten Dankschreiben der Kurgäste kam zum Ausdruck, daß sie Heilung wie auch Erfolg in Heiligenstadt gefunden haben.

Dies war Anlass genug, erstmalig am 20.09.1950 den Antrag an das Ministerium auf Anerkennung als Heilbad zu stellen.

Diesem Antrag wurde am  19.12.1950 entsprochen; Heiligenstadt darf nunmehr seinem Stadtnamen das Prädikat Heilbad voranstellen.

Der weitere Ausbau des Heilbades erfolgte unter anderem durch den Bau des Musikpavillons im Park im Jahr 1952.

Seit 1950 ist das Kneipp – Bad Heiligenstadt eine staatliche Einrichtung, die zuerst vom Rat der Stadt, später vom FDGB und der Sozialversicherung verwaltet wurde.

Am 01. Januar 1954 wurde das Kneipp – Bad mit einem Wert von 180.000,00 DM in Verwaltung des FDGB – SVK übernommen.

Im Januar 1955 ging das Kneipp – Bad, nachdem es eine gute Aufwärtsentwicklung genommen hatte, in die Rechtsträgerschaft des Freien Gewerkschaftsbundes (FDGB) über.

Waren es in den Jahren zuvor etwa 850 Kneipp – Kuren, die durch die Sozialversicherung vermittelt wurden, so waren es im Jahr 1958 1.030 Kneipp- und Privat – Kuren sowie 462 ambulante Behandlungen für Patienten, die im Umkreis von 10 km ihren Wohnsitz hatten.

Im Jahre 1964 stieg die Zahl der Kurgäste auf 1.400, das heißt, daß diese Gäste gesundheitlich und kulturell betreut wurden.

Seit Mitte Januar 1966 war das Kneipp – Bad Heilbad Heiligenstadt eine nach geordnete Einrichtung der Abteilung Gesundheits- und Sozialwesen des Rates des Bezirkes Erfurt.

Die örtliche Heiligenstädter Zeitung berichtete am 29.12.1969 u.a. „... Der 12. Durchgang der Kursaison im Kneipp – Bad für das Jahr 1969 ist beendet.“ 1512 Genesungssuchende wurden im Jahre 1969 behandelt, ein Dutzend mehr als im Vorjahr.

Im Kneipp – Bad waren Ende 1969 35 Mitarbeiter sowie eine ärztliche Direktorin als Fachärztin für Innere Medizin beschäftigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg im Zeitraum 1950 – 1969 fanden im Kneipp – Bad 22.454 Personen Aufnahme und Behandlung.

Am 01. Oktober 1972 trifft der 25.000 Kurgast des Heiligenstädter Kneipp – Bades ein.

In den Jahren 1973 – 1974 erfolgt die Rekonstruktion und die bauliche Erweiterung des Kneipp – Badehauses.

Mit dieser baulichen Veränderung konnte auch das Behandlungsprogramm weiter qualifiziert werden, und zwar durch folgende medizinisch – technische Einrichtungen:

  • Inbetriebnahme des Vierzellenbades
  • Einbau Fuß- und Armbadewannen nach Schwenninger/Hauffe in den Teilbädern
  • Inbetriebnahme der Unterwasser – Druckstrahl – Massage – Behandlung
  • Aufnahme des CO2 – Gasbades in das Behandlungsprogramm
  • Beginn der Reizstromtherapie
  • Fahrradergometer

Abwicklung und Neubeginn

Die Abwicklung des Kneipp – Bades durch das Gesundheitsministerium des Freistaates Thüringen erfolgte zum 30.06.1991.

Den Verantwortlichen in der Stadt Heilbad Heiligenstadt und im Landkreis Heiligenstadt (heute Eichsfeld) war bewusst, dass diese Kurtradition fortgesetzt werden muss.